Alles Klischees

Wir gehen der Sache auf den Grund
 


Archiv: typisch doof

So sehr man auch meinen sollte, dass nach über 15 Jahren Mauerfall keiner mehr nach den alten Wessi- und Ossi-Kamellen kräht, so ist das doch oftmals noch reine Utopie. Es gibt, leider, noch viel zu viele Menschen die leidenschaftlich auf diesen Klischees herumtrampeln. Widerlegen muss man sie nicht, denn Menschen sind überall nur Menschen. Dass rein tariflich die Bezahlung in den westlichen Bundesländern oftmals noch höher ist, als in der “Ost-Tarifzone” ist schade und wird hoffentlich sehr bald komplett abgeschafft.

Aber hier die gängigsten Ost-West-Klischees. Von früher und heute.

Der Wessi:
- er trägt schicke Klamotten (es wird sich da beispielsweise ein Anzug vorgestellt oder ein spießig um die behemdeten Schultern geworfener Pullover)
- er redet viel, weil er sich für den Klügsten hält
- er ist herablassend bzw. arrogant und sieht auf die “armen Ostler” herab
- er ist generell wohlhabend
- er ist steif (”hat einen Stock im Arsch”) und nicht lustig


Eine nicht ganz ernst gemeinte Auseinandersetzung mit der Thematik

Der Ossi:
- Hochdeutsch? Kann er nicht. Vorzeige-Ossis sind die Ölapalöma-Boys etc. Ergo Amtssprache des Ossis ist Sächsisch.
- er fährt einen Trabbi oder eine ähnlich bemitleidenswerte Entschuldigung für das, was der Wessi ein “richtiges Auto” nennen würde
- er futtert den lieben langen Tag Spreewald-Gurken, oder alternativ Broiler oder Soljanka
- irgendwie sieht er geistig minderbemittelt aus (gerne mit dicker Hornbrille)
- der Kleidungs-Stil ist katastrophal (muffige riechende Kleider, “Opa-Klamotten”)

Dies sorgt vermutlich, hoffentlich, für kollektives Kopfschütteln. Auch in Bayern / Köln wird Dialekt gesprochen, auch in den neuen Bundesländern gibt es Leute ohne Humor. Auch wenn es wahrscheinlich noch eine ganze Weile dauern wird - hoffen wir, dass das Thema eines Tages vom Tisch ist. Denn es ist typisch doof.


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Sport - nur für junge Menschen? © flickr / nattu

Sportler? Das sind durchgängig 15-16jährige. Denn Sport an sich ist so eine aufreibende und menschenunwürdige Tätigkeit, dass sich die der menschliche Körper ab Erreichen eines gewissen Alters dagegen zu wehren beginnt. Heutzutage sind im Fernsehen ja sowieso nur durchgestählte, gedopte und gehärtete Top-Athleten zu sehen - die Zeiten der älteren Sportler sind vorbei!

Das ist natürlich Blödsinn.

Gerade heutzutage, in einer Zeit, in der die medizinische Versorgung verbessert und damit das Lebensalter des Menschen immens verlängert werden konnte, gibt es für einen Sportler weniger rigorose physische Grenzen, als das früher der Fall war.

Das Problem besteht eher in psychologischer Hinsicht: In einer Gesellschaft, in der dem Einzelnen in allen Bereichen suggeriert wird, der oder die Jüngere sei automatisch dynamischer, kräftiger und ausdauernder, ist es natürlich gerade im sportlichen Bereich schwierig, diesem Klischee nicht zu glauben. Dabei muss man, wie überall, differenzieren. Sicherlich ist es in bestimmten Bereichen des Hochleistungssportes richtig, dass der Zenit statistisch gesehen ab einem bestimmten Lebensalter überschritten wird.

Wie überall sonst auch bestehen aber die meisten Sportarten nicht nur aus einer Disziplin. Gerade Mannschaftssport ist ein komplexes Gefüge aus verschiedenen Ansprüchen, denen die verschiedenen Sportler mit individuellen Fähigkeiten begegnen. Beispiele für die Antithese zum Sportler-Knabenwahn gibt es viele: So wurde Christian Schwarzer im Alter von 38 Jahren für das Olympia Handball Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft nominiert.

Ähnlich wie das alte Fußball-Klischee kommt dieses Sportler-Klischee primär von Leuten, die selbst keinen oder nicht sonderlich viel Sport treiben, und sich mit Vorliebe in der Ecke ihres Wohnzimmer-Sessels aufhalten.


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Puppen sind was für kleine Kinder. Vorrangig Mädchen. Man zieht ihnen Kleidchen an, kämmt ihnen die Haare und kümmert sich um sie wie Babys.

Aha. Sicher, aber es geht auch anders. Das beweisen die Puppetmastaz, die zuletzt am 27. April 2008 am Boxhagener Platz in Berlin einen kurzen Auftritt hinlegten.
Die Puppetmastaz sind die erste “Toy-Band” der Welt, sie existieren mindestens seit 1999 - denn dort fand ihr erster Auftritt statt. Die Band besteht aus diversen unansehnlichen Handpuppen, die als HipHop-Act auftreten. Anfangs nur in Berlin bekannt, da von dort stammend, gab es Anfang 2002 sogar erste Konzerte außerhalb Deutschlands. Auch wenn die Musik als solche keinen weltbewegenden Eindruck hinterlässt oder den HipHop neu erfindet, kann man sie sich doch getrost anhören und mitnicken. Nichts Besonderes, aber bei Weitem nicht übel.


Mitschnitt eines Auftritts der Püppchen

Interessant zu wissen ist außerdem, dass die Puppetmastaz sich insbesondere in Frankreich großer Beliebtheit erfreuen. In Deutschland ja nur wenigen bekannt kommen dort teilweise bis zu 5000 Leute zu ihren Shows. Wer sich über Tourdaten informieren möchte, schaut am Besten mal auf die Seite der Puppetmastaz. Wer seine eigene Puppe mitbringt (egal ob Fingerpuppe oder gebasteltes Ungetüm) kommt hin und wieder sogar gratis in die Shows rein ;)

Also, Schluss mit dem Klischee Puppen wären was für kleine Mädchen oder sozial gestörte Erwachsene. Denn Puppen können offensichtlich auch grooven. Und eine richtig unterhaltsame Show hinlegen.


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Kinderbücher sind nichts für Erwachsene? Diesem Klischee muss an dieser Stelle mal vehement widersprochen werden. Für mich gibt es keine schöneren Bücher, als die, die ich in der Kindheit gelesen habe.

Im Hugendubel locken die Bestseller-Listen mit immer den gleichen Themen.
Singles zu Hause, Singles bei der Arbeit, Frauen über 40, die Illuminaten und Jesus beim Sex.. Gähn. Früher war alles besser, was der Grund ist, warum ich mit Freuden die meisten Kinderbücher zeitgenössischer Belletristik vorziehe.

Ob ich meinem Sprössling die neuesten Abenteuer von Bob dem Baumeister vorlese oder mit Tonke Dragt den Brief für den König überbringe, ob ich Michael Endes Unendliche Geschichte durchlebe oder im Dschungelbuch auf den Spuren von Wölfen und Panthern bin - Kinderbücher sind und waren schon immer der Grund, warum man mit dem Lesen überhaupt anfängt.

Natürlich ist ein strenger Vergleich unfair, den möchte ich aber auch gar nicht ziehen.

Das Dschungelbuch - eine tolle Geschichte! © wikipediaVielmehr nervt es mich immer wieder, dass Leute, die “Feuchtgebiete” von Charlotte Roche lesen, über “Winnetou” sagen dürfen, dass sei Schwachsinn, weil der Autor noch nie bei den Indianern gelebt hat. Ihr seit doch nur zu vermöchtegernmodernisiert, um noch in den Bahnen zu denken, die euch erst zum Lesen gebracht haben.

“Emil und die Detektive” von Erich Kästner ist mir doch um Längen lieber als die neuesten Ergüsse von Martin Walser in “Ein liebender Mann”! Klischees fungieren, gerade was Bücher betrifft, oft als Rechfertigung dafür, dass bestimmte Leute gekauft werden. Eben, weil sie “in” sind und das beliefern, was der Rest gerne liest. Auch wenn es immer wieder der gleiche, neu aufbereitete Nicht-Sinn ist.

Damit dürfte alles gesagt sein, ich widme mich jetzt wieder dem Studium meiner Asterix-Comics. Wenn einer was dagegen sagt, schreib ich noch einen Beitrag mit dem Titel “Comics sind dämlich? Also bitte…” oder so ähnlich. Das wollt ihr nicht! Wenn ich darüber so nachdenke, der kommt auf jeden Fall…


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Fußball - für ein paar unbelehrbare Menschen ist dieser Sport der Inbegriff der völkischen Dummheit. Zweiundzwanzig Männer in lustigen Outfits, die einem Ball hinterher rennen, erwecken auch nicht wirklich den Eindruck, hier sei sonderlich intelligentes im Gange.

Klar, Engagement braucht man, Kämpferherz und Einsatz - aber Grips? Nur im seltensten Fall. Das Paradebeispiel sind dann immer die Interviews von Ikonen wie Lothar Matthäus oder Oliver Kahn in den Nachrichten. Der erste Fall: Deutschlands Flachbirne Nummer Eins, braucht man nicht lange zu kommentieren. Letzterer wurde von seinem PR- Manager so umerzogen, dass alles, was er sagt, nach auswendig gelernten Phrasen klingt.

Freistöße treten - anspruchsvoller, als man denkt! © flickr / gnu1742Ja gut, sonderlich kluge Dinge geben unsere Fußballer tatsächlich nicht von sich. Aber was will man auch antworten, wenn man abgehetzt nach 90 Minuten vom Platz kommt, und einem der junge und adrette Premiere-Reporter ein Mikrofon unter die Nase hält?

“Wie war denn das Spiel, Klaus?” nach einer 5:0 Pleite gegen den Bezirksligisten - Was soll man da sagen? Früher haben die Profis mit verständlicher Aggression reagiert und wurden als wortkarg und dumm abgetan, heutzutage versuchen es viele mit ausschweifendem Politikergequatsche und werden vom Fußball-Hasser schon wieder als dumm eingestuft.

Dabei ist Fußball ein unheimlich taktisches Spiel. Wer schon mal versucht hat, sich auf der rechten Außenbahn zu behaupten, ohne auf den Rest des Spielfelds zu achten, wird nach stundenlangem Im-Regen-Stehen wissen was ich meine. Profi-Fußballer müssen im Idealfall die Vorstellungen, die der Trainer in der Kabine an eine Tafel zeichnet, als elfköpfiges Team im Sport umsetzen. Das klappt so im seltendsten Fall in der Redaktion einer Zeitung, wo der sportliche Aspekt schon wegfällt, wieso ist das keine Leistung, wenn die Athleten sowas hinbekommen?

Meiner Meinung nach rührt diese Reduzierung des Fußballspielers auf den dummen Läufer mit Eisenfuß vom Unterlegenheitsgefühl des Sofasitzers her. Manche der Spieler, Lukas Podolski beispielsweise, geben sich auch dümmer, als sie wirklich sind, um ihre Persönlichkeit optimal zu vermarkten.

Auf jeden Fall ist dieses Klischee ein sehr altes und ziemlich dämliches - wer nicht ein Mindestmaß an taktischer Intelligenz und schnellem Auffassungsvermögen mitbringt, wird es im Fußball schwer haben.


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