Alles Klischees

Wir gehen der Sache auf den Grund
 


Archiv: berufstypisch

Taxifahrer üben einen wichtigen Beruf aus, der weder besonders gut bezahlt wird, noch sich andersweitig rentiert, da die Kundschaft fehlt. Sie werden jedenfalls nicht Müde, dies zu betonen.

Es ist eine wahre Freude, das Taxi nehmen zu müssen. Wenn man auf der Suche nach einem ist, kommt bestimmt kein freies vorbei. Die wenigsten Fahrten gestalten sich wie im Film, aber dennoch ist der Nervenkitzel besser als beim Bungee-Jumping, denn man weiß nie, ob man lebend ankommt. Man weiß auch nie, ob der Taxifahrer überhaupt die Zieladresse kennt und was man am Ende der Reise bezahlen muss, denn aus irgendwelchen Gründen ist der Preis auch wenn man immer die selbe Strecke fährt grundsätzlich unterschiedlich.

Taxis © Flickr/extranoise

Die Preise für eine Fahrt sind zudem so exorbitant hoch, dass man sie sich eigentlich nur noch leisten kann, wenn man die Hälfte seines Hausrates quer durch die Stadt transportieren muss oder sich in einem gänzlich anderen Bewusstseinszustand befindet, so dass man das Loch im Geldbeutel nicht so direkt mitbekommt.

Früher wurden Taxis hauptsächlich von gescheiterten Studenten oder solchen, die es werden wollten, gefahren - hauptberufliche Fahrer waren selten anzutreffen, vermutlich auch, weil sich niemand freiwillig diesem Stress aussetzen wollte. Mittlerweile ist aber aus dem, was eigentlich ein Übergangsjob sein sollte, eine feste Lebensgrundlage geworden. So könnte sich auch der zu beobachtende, berufstypische Frustrationsgrad der Fahrer erklären.

Bei allem Verständnis für die Leiden der Taxifahrer muss aber doch festgestellt werden, dass die meisten fahren, als wären die apokalyptischen Reiter hinter ihnen her. Aber man sollte die Taxifahrer nicht über einen Kamm scheren, denn es gibt viele verschiedene Sorten Taxifahrer. Zum Abschluss hier die beliebtesten:

  • die “Hektiker”, die beim Fahren beinahe einschlafen, so dass man niemals pünktlich sein Flugzeug oder seine Bahn bekommt oder sonstige Termine einhalten kann, obwohl man die Dringlichkeit des Unterfangens beim Einsteigen betont hat,
  • die “Labertaschen”, die auf einer zehnminütigen Fahrt ihr gesamtes Leben darbieten, inklusiver verschrobener Ansichten, auf die die “Bild-Zeitung” stolz sein könnte,
  • die “Quengler”, die sich beim zahlenden Gast über zu wenig zahlende Gäste beschweren - ein Verhalten, das sich vergleichen läßt mit einem Anruf bei der Schwiegermutter, wenn man als erstes hört, dass man nie anrufen würde,
  • die “Choleriker” regen sich über alles und jeden auf der Straße auf, gerne auch über die hehre Kollegenschaft, wenn die sich völlig identisch zum eigenen Fahrstil verhält,
  • die “Henker”, die mit 80 Sachen durch die Stadt brettern, ungeachtet Passanten, anderer Autos oder dem Wohlergehen der Fahrgäste. Diese Spezies trifft man vor allem in Hamburg an.

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Der Traum jedes zweiten kleinen Jungen ist seit jeher, später einmal Polizist zu werden. (Alternativ auch Feuerwehrmann, aber das Thema hatten wir bereits.) Der Polizist ist immer nett und freundlich und hilft, wo er kann. Das ist schon Grund genug. Hält der Berufswunsch Polizist länger an, steht meistens nicht mehr der liebe, gute Polizist, der den Kindern über die Straße hilft, im Zentrum der Vorstellung.

Sondern? Welches Bild existiert in den Köpfen?

Fernsehserien suggerieren das Bild des gestandenen Mannes (oder seit neuestem auch der toughen Frau), der (bzw. die) sich wahnwitzige Verfolgungsjagden liefert, Autos explodieren dabei und das Ganze endet mit einem Schusswechsel. Der Polizeibeamte kommt mit heiler Haut oder im Ausnahmefall einer kleineren Verletzung davon und überwältigt schlussendlich den Verbrecher. Abends wartet dann ein gutes Essen oder ein schönes kaltes Bier auf den ermüdeten Ritter für Recht und Ordnung.

Polizeieinsatz in der Nacht © -bast- / flickr.com

Dass wir es hier mit einem recht lebensfernen Klischee über den Beruf “Polizist” zu tun haben, ist offensichtlich. Wie allerdings geht es denn wirklich ab?
Da eben nicht jeder Polizist bei der Mordkommission ist, ist der Alltag doch eher unspektakulär: Es werden Gurt- und Alkoholkontrollen beim Autofahrer durchgeführt, Verkehrsunfälle aufgenommen und von Bürgern gestellte Anzeigen bearbeitet bzw. entgegengenommen. “Wilde Verfolgungsjagden und explodierende Autos” seien alles andere als Job-Bestandteil.

Gerade bei der Berufswahl sollte man das auch nicht aus den Augen verlieren. Das Fernsehen dient zur Unterhaltung des Zuschauers, bei ihm soll Spannung und Interesse erzeugt werden. Der reale Beruf ist für das Erledigen von Aufgaben da. Und die bestehen eben nicht tagein tagaus aus der Jagd von Drogenbossen oder der Aufdeckung großer krimineller Machenschaften.


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In den letzten Jahren nahm ein Begriff dank medialer Anpreisung unglaublich an medialer Bekanntheit zu -  “Burnout”. Von Anfang an tauchten in diesem Zusammenhang besonders häufig der Beruf der Lehrkräfte als Beispiel auf. Das Klischee ist an dieser Stelle nicht an den Haaren herbei gezogen.

Wie die Morgenpost berichtete, sind allein in Berlin rund 1000 Lehrkräfte dauerhaft als krank gemeldet, was doch beachtliche vier Prozent der Gesamtlehrerschaft ausmacht. Zur Folge hat das logischerweise oftmals Ausfall der Stunden für die Schüler. Was die meisten Kinder natürlich freut (ausschlafen / früher nach Hause / mit Freunden quatschen…) ist statistisch gesehen alles andere als erfreulich. Im Schuljahr 06/07 fielen in Berlin insgesamt 13.800 Stunden aus, das sind 2,6 Prozent des gesamten Unterrichts dieses Jahres.


Ein informativer Bericht über Lehrer in Sachsen.

Woran liegt das? Sind Lehrer einfach faul? Immerhin haben sie soviel Urlaub wie keine andere Berufsklasse, denkt man. Die Landesbeauftragte des Bundes Deutscher Psychologen, Anita Schindler, erklärt sich das wiefolgt: “Alle wissenschaftlichen Studien zum Thema belegen: Vollzeitlehrer haben wöchentliche Arbeitszeiten von 50 Stunden und sind steigenden Belastungen ausgesetzt.” Sie hält dagegen den vermehrten Einsatz von Schulpsychologen für die Lösung des Problems, denn momentan gäbe es davon zu wenig. Solche Psychologen könnten helfen, Burnouts vorzubeugen und unterstützend einwirken, sobald die Lehrkräfte Anzeichen von Depressionen zeigen.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Situation sich bald entspannt. Denn so schön es für Schüler sicher ist, mal ausschlafen zu können und ein oder zwei Stunden eher Schluss zu haben - letztendlich geht mit jeder ausgefallenen Unterrichtseinheit doch immer auch ein Stückchen Bildung verloren.


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Er kommt mit entschlossenem Schritt aus einem brennenden Gebäude, der Film läuft für diese Augenblicke in Slow-Motion. Er guckt heroisch, das Kätzchen / kleine Kind / die schöne Frau in seinen Armen schmiegt sich erschöpft aber dankbar an diesen Helden der Stunde.

In Amerika ist dieses Klischee vermutlich sogar noch intensiver, da von zahlreichen entsprechenden Filmen unterstützt. Aber auch hierzulande ist es nicht viel anders - kleine Jungs wollen Feuerwehrmann werden, Frauen sabbern und kriegen Herzrasen beim Gedanken an den sexy Mann mit dem Feuerwehr-Schlauch. Klar, die Jungens wollen Helden sein, bewundert sein, stark sein. Leben retten und jeden Tag ein neues Abenteuer erleben - und am Ende immer der Gute sein. Frauen wollen eben diesen Typen gerne mal fürs Bett ausleihen.

Feuerwehrmänner © Rossco ( R & V Photographers ) / flickr.com

Nun aber genug mit romantischen und ideologischen Vorstellungen. Die Realität ist doch bei Weitem nüchterner. Betrachten wir beispielsweise Sven Hobert und seine Kollegen von der freiwilligen Feuerwehr in Adlershof (Morgenpost berichtete am 20./21. September 2008). Ihre Anzüge sind nicht etwa rot und geil, sondern dunkelblau und mit Leuchtstreifen überzogen. Dazu gibt es einen Schutzhelm. Was allerdings wahr ist, ist die Kätzchen-im-Baum-Vorstellung. Die freiwillige Feuerwehr rückt nämlich nicht nur bei Bränden aus, sondern auch wenn Menschen und Tiere verletzt sind.

Leben retten, das finden auch die “echten” Feuerwehrmänner am schönsten. Die damit zusammenhängenden Umstände sind allerdings weniger traumhaft oder sexy - der Pieper, der Hobert und seine Kollegen auf die Wache ruft, kann in der Badewanne, beim gemütlichen DVD-Abend oder einem Schäferstündchen mit der Frau ertönen. Und dann muss man eben alles stehen und liegen lassen und ab dafür. Heldentum hin und her, das Familienleben wird mit einem Feuerwehrmann sehr strapaziert und viel Zeit zum Ausruhen bleibt auch nicht, denn zu jeder Tages- und Nachtzeit kann ein Einsatz rufen.


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Die Musiker und ihre Klischees

Autor: Sarah
abgelegt in: berufstypisch

Klischees spielen gerade in der Musik eine große Rolle. Wer sich einer bestimmten Gesinnung oder Gruppe angehörig fühlt, wird zum Beispiel schon aus Prinzip bestimmte Musik nicht hören oder Menschen, die bestimmte Musik machen, nicht attraktiv finden.

Hier nun eine kleine Untersuchung - was ist das landläufige Klischee verschiedener Musiksparten, rein von der Optik der Interpreten her? Ein nicht ganz ernstgemeinter Ausflug in die Welt der Musik. ;)

1. POP
Der männliche Popmusiker ist in der Regel schlank und gepflegt. Er schaut mit großen, treuherzigen Augen in die Kamera, spielt mit seinem vermeintlichen “Sex-Appeal” und hüpft zu mehr oder minder lächerlichen Choreographien auf der Bühne herum, gerne auch in einer Gruppe von bis zu fünf Personen. Beispiele für diese Sparte - Justin Timberlake, Nick Carter, Robbie Williams etc.
Die weiblichen Pop-Sternchen sind in der Regel darauf bedacht, süß zu wirken. Sie tragen kurze Röckchen, mögen Zöpfe und lächeln gaaaaaaanz viel. Und tanzen natürlich auch. Sie spielen viel mit ihrer Wirkung und geben zum Teil auch ganz schön mit ihrem Körper an. ;) Beispiele: Christina Aguilera, Britney Spears (damals) oder Jessica Simpson.

2. SCHLAGER
Der männliche Schlagerstar ist ein schmalziges Exemplar mit welligem, meist blondem Haar, gerne auch toupiert. Er schleimt bei Senioren und überhaupt allem, was sich bewegt und trägt ein eingemeißeltes Dauergrinsen mit sich herum. Er winkt viel und seine Texte handeln von Heimat und Liebe. Beispiel: Hansi Hinterseer, Florian Silbereisen.
Die Weibchen tragen mit Vorliebe Dirndl, haben große treuherzige Äuglein und können mindestens ein Instrument spielen. Doll! Beispiel: Stefanie Hertel, Marianne.

Schlager-Prinz Hansi Hinterseer / http://commons.wikimedia.org/

3. METAL
Der Metal-Mann hat oftmals langes Haar, mindestens einen Arm voller Tattoos und röhrt wie ein Irrer ins Mikrofon. Er versprüht einen etwas schmuddeligen Charme, wirkt roh und brutal. Und kann ordentlich saufen! Meist sieht er aber auch schon dementsprechend verbraucht aus. Die Drogen… Beispiel: James Hetfield, Ozzy Osbourne.
Metal-Frauen gibt es nicht.

4. ROCK / INDIE
Die Rock-/Indie-Boys sind schlanke bis magere Jungs. Sie können muskulös oder schmächtig sein, wenigstens ein Tattoo oder Piercing hat aber jeder aufzuweisen. In letzter Zeit mögen sie vermehrt den Emo-Look. Gitarren, Girls und ab und zu ein paar Drogen - das ist ihre Welt. Beispiele: Ben Kowalewicz, Gerard Way.
Rock-/Indie-Girls sind eher Mannsweiber mit kurzen, punkigen Frisuren und frechen Texten. Sie tragen zerrissene Strumpfhosen, Röcke, die Haare sind bunt und sie nehmen kein Blatt vor den Mund. Beispiel: Pink.

Wer jetzt noch wissen will, welcher der männlichen Musiker am sexiesten ist, liest diesen Artikel hier.


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Gerade zu Neujahr ist es ja Brauch - man wünscht einander alles Glück der Welt und verschenkt dazu beispielsweise Blumentöpfe, Grußkarten oder ähnlichen Ramsch. Eben dieser ist dann gerne mit kleinen Schweinchen, Kleeblättern oder einer Schornsteinfeger-Figur dekoriert.

Auch wenn man allgemein an den Schornsteinfeger denkt - die erste Assoziation ist in der Regel, dass er Glück bringt. Aber woher kommt das, warum ist der Schornsteinfeger so ein klassisches Glückssymbol?

Schornsteinfeger Figur © s. bär / flickr.com

Um das zu verstehen machen wir doch mal eine kleine kulturelle Zeitreise. Die Dörfer waren klein und Heizungen gab es noch nicht. Also musste das Haus über den Ofen beheizt werden, war also vor allem in kälteren Jahreszeiten in andauernder Beanspruchung. Der Schornstein hatte dementsprechend natürlich einiges zu leiden, die ganzen Rußpartikel… Gab es Verstopfungen oder andere Probleme mit den Ablagerungen im Schornstein steigerte sich die Gefahr eines Brandes immens. Und wenn es damals brannte (Feuerwehr gab es schließlich noch nicht ;) ) fackelte mit hoher Wahrscheinlichkeit des halbe Dorf ab. Samt Ernte.

Kein Wunder, dass der Schornsteinfeger den Menschen ein gern gesehener Besucher war. Die regelmäßige Reinigung des Schornsteins senkte die Brandgefahr deutlich und verhinderte damit schreckliches Unheil - brachte also Glück (in Form von Unversehrtheit).

Warum aber ist der Schornsteinfeger gerade zu Neujahr eines der Standardsymbole? Das hat den Grund, dass die Schornsteinfeger auf Neujahr in der Regel ihre Jahresrechnung legten. Kamen sie dann, um ihre Bezahlung einzufordern, hatte das zur Folge, dass sie vielen Menschen als erste Gratulanten im neuen Jahr begegneten.


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Bibliothekare lesen nur

Autor: Sarah
abgelegt in: berufstypisch

“Ach, du arbeitest in einer Bibliothek? Toll, den ganzen Tag nur lesen, das nenn ich mal nen Job! Haha.”
Oder meine Oma. Sie ist ja der festen Überzeugung, Bibliothekare lernen tagein tagaus Autoren auswendig und was die so schreiben. Und wenn dann mal einer kommt und fragt “Ja, was schreibt denn XY so?” muss der Bibliothekar das natürlich auswendig wissen. Was auch sonst?

Die Antwort “Willst du mich verarschen?”, die einem dann jedes Mal auf der Zunge liegt, kann man sich gerade noch verkneifen. Mühsam. Denn was viele nicht verstehen ist - ein Bibliothekar kommt bei seinem Job gar nicht zum Lesen, schön wärs! Tjaha, und was macht er dann den ganzen Tag, angeblich? Diese etwas herablassende Reaktion kennt man auch.

Bibliotheken und Bücher © emdot / flickr.com

Also, was machen Leute die in einer Bibliothek arbeiten, wenn sie denn nicht lesen? Erstaunlich viel. Zum Einen wird der Markt gesichtet, was gibt es für neue Bücher, die interessant für den Bestand sein könnten? Diese werden gegebenenfalls beschafft, dann eingearbeitet. Dazu muss eine Katalogaufnahme angefertigt werden, das Buch wird in eine Kartei eingetragen und für den Benutzer auch inhaltlich erschlossen, damit er es später bei seiner Recherche auch findet. Datensätze müssen gepflegt und verwaltet werden. Dann gibt es noch die Buchausgabe-Tätigkeit. Der Benutzer bekommt seine Bücher überreicht, gibt sie wieder ab oder hat Fragen, die der Bibliothekar ihm beantwortet. Hilfe bei Recherchen, Einstellen und Katalogisieren der Bücher, Verbuchen, nett und freundlich sein, Bücher eventuell aussondern. Und das sind nur Auszüge.

Wo soll denn da bitte Zeit zum Lesen bleiben? ;)


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