Schon seit Jahren steigen Forscher neugierig der Frage nach, weshalb Menschen homosexuell werden beziehungsweise sind.
Von Tieren ist man es ja gewohnt, auch wenn man in der Regel etwas irritiert darauf reagiert: Sexuelle Handlungen von Weibchen zu Weibchen oder Männchen zu Männchen. Schon seit der Antike ist aber bekannt, dass Menschen auch gleichgeschlechtlichen Sex praktizieren, damals beispielsweise insbesondere Herren mit jungen Lustknaben. Nachdem die Thematik in der Neuzeit jahrelang totgeschwiegen wurde, ließ sie sich irgendwann nicht mehr unter den Teppich kehren.Während anfänglich Verwirrung herrschte und die Prüderie Ansichten diktierte, die Homosexualität als geistige Schwäche, sündhaft oder anderweitig entartet abstempelte, gewann gerade in den letzten Jahren die Wissenschaftlichkeit bei der Untersuchung dieser Thematik die Überhand.
Irgendwann meinte man dann, des Rätsels Lösung in den Genen gefunden zu haben. Homosexuelle Neigungen und ihre Intensität seien angeboren, hieß es dann.
Dies wurde schnell wieder relativiert, da es nicht möglich war, das angebliche “Schwulen-Gen” genau zu identifizieren. Mittlerweile ist man sich einig, vor Allem nach einer schwedischen Studie, dass sowohl Umwelt als auch Erbanlagen ihre Finger im Spiel haben, wenn es um die sexuellen Neigungen des Menschen geht. Die Gene haben dabei jedoch wesentlich weniger zu sagen. Hauptprägend sind die familiäre Situation, das Umfeld und sogar bereits die hormonellen Verhältnisse im Mutterleib.
Vermutlich ist aber auch mit dieser Studie noch nicht das letzte Wort bei der Ergründung der menschlichen Vorlieben in Sachen Geschlechtspartner gesprochen.
“CSD? Christopher Street Day? Das ist doch diese kranke Schwuchtel-Parade, wo sich ein Haufen Kerle in Fummel werfen, wo Weiber sich wie Männer anziehen und es alle toll finden, dass sie homosexuell sind!”
So oder so ähnlich sieht das landläufige Klischee zum Thema CSD aus. Und ja, in der Regel finden sich an diesem Tag zahllose Menschen in schriller (Ver-)Kleidung auf den Straßen, die sich und ihre Sexualität ausgelassen zelebrieren.
Die Ursprünge des Christopher Street Day finden sich in New York. Dort fand am 28. Juni 1969 in der Christopher Street in Greenwich Village der erste offiziell bekannte Aufstand von Menschen, die einer sexuellen Minderheit angehören, gegen die Willkür der Polizei statt. In den damaligen Zeiten gab es oftmals gewalttätige Razzien von Polizisten gegen sexuelle Minderheiten, allen voran Homosexuelle. Die Feier dieses ersten Aufbäumens und offiziellen Einsetzens für Würde und Rechte von Schwulen, Lesben, Transsexuellen und so weiter ist über die Jahre zu einer internationalen Tradition geworden.
Bei uns in Deutschland fanden im Jahre 1979 die ersten Feierlichkeiten zum CSD unter diesem Namen statt - und zwar in Bremen und Berlin. Heutzutage feiern in zahlreichen deutschen Großstädten am letzten Samstag des Juni Homosexuelle, Transsexuelle, Bisexuelle und deren Sympathisanten in kreativen und schrillen Outfits ihren Lebensstil. Diesen Samstag zum Beispiel auch wieder in Berlin. Und warum auch nicht? Es ist keine Schande stolz auf sich zu sein, solange man mit seinem eigenen Leben glücklich ist und niemand anderen gefährdet.
Man darf den ernsten Hintergrund dieser Demonstration dabei trotzdem nicht vergessen. Auch heute noch leiden vor allem Homosexuelle in vielen Bereichen des Alltags unter Diskriminierung und sind Spott oder Andersbehandlung ausgesetzt. Jeder von uns sollte den CSD daher auch als kleine Mahnung zu mehr Toleranz anderer Lebens- und Liebesweisen verstehen.
Wie angekündigt wird heute ein weiteres Klischee beseitigt.
Das geht folgendermaßen: Comics sind das Fastfood für diejenigen Kinder, die zu faul sind zum Lesen. Comics sind weiterhin die Antwort der verblödeten Gesellschaft auf schwer zu meisternde Kanon-Literatur und in Comics steht wenig Text mit bunten Bildchen - kurz: Comics sind dämlich.
Erstmal: Comics sind nicht gleich Comics. Es gibt Seriencomics wie die Superheldengeschichten von DC und Marvel, es gibt gebundene Ausgaben französischer Genies wie Asterix, Spirou und Fantasio oder Gaston, es gibt Webcomics, japanische Comics, Comics als Werbung, Comics zu Lehrzwecken … traurige “Comics”, lustige Comics, Science Fiction, Abenteuer, Erotik - Comics, Comics für jung, alt und dazwischen… Ich bin beileibe kein Experte, aber das Comic ist in seinen verschiedenen über das letzte Jahrhundert gewachsenen Ausprägungen weit entfernt von nur einer Sparte oder nur einem Genre, in das man es einordnen könnte.
Die meisten Leute unterschätzen es halt, weil sie das “nur” als letzten Abschnitt der Abendzeitung kennen.
Ein schönes Beispiel ist der Online-Rollenspiel-Comic “Order of the Stick“. Was als witziges Gimmick einer Seite begann, die eigentlich dafür gedacht war, den Content des Autors zum Pen&Paper-System D&D bekannt zu machen, hat sich mittlerweile zu einer ziemlich erfolgreichen Serie gemausert, deren Fans pünktlich zu jedem Update den Server zum Absturz bringen.
Warum? Weil die Witze intelligent sind, die Story groß angelegt (geworden) ist und die Referenzen zu anderen Serien, Comics und Webinhalten einfach sitzen.
Comics sind nicht nur eine Art, irgendwelche Stories breitzutreten, für mich stellen sie im besten Fall eine Kunstform dar. Schließlich müssen nicht nur die Texte passen, sondern auch die Zeichnungen, man hat also meistens mindestens zwei Leute, die das Comic produzieren. Das kann sich auswachsen, bis ein gesamtes Team da sitzt und die Abenteuer von Donald Duck zeichnet.
Genau wie Computerspiele haben Comics mit dem Ruf zu kämpfen, sie seien fürs blöde Massenpublikum erstellt, dabei sind die Hintergrundgeschichten zu vielen Erzeugnissen der Künstler so komplex, dass Uneingeweihte sie gar nicht verstehen.
Also: Hütet Eure Zunge, wenn ihr das nächste Mal Comics verlacht! Da steckt mehr Grips drin, als manche von euch im Leben zusammenbekommen.
“HipHop? Nein, danke, ich höre lieber Musik!” - “Die sind alle so doof, die gehören verprügelt.” - “Rap? Früher hieß das Stottern und war heilbar!”
Mal ehrlich. Mir gehen diese Sprüche gehörig auf den Sender. Seit wann darf heutzutage nicht mehr jeder hören, was ihm gefällt, sondern muss sich oder seine bevorzugte Musik als minderbemittelt einstufen lassen?
“Ja, HipHop, das sind doch diese ganzen mit Schmuck behangenen Penner, die sich von fetten, halbnackten Tussis umtanzen lassen und in Pelzmänteln übers Vögeln labern.”
Achso? Dass es immer mal wieder proletische Bling-Bling-Rapper gibt, ist nicht zu leugnen, der ursprüngliche HipHop hatte allerdings andere Ziele. Gerappt haben seit jeher jene, die aus armen Verhältnissen stammten, aus Vierteln, in denen Kriminalität und Drogen herrschten. Rap war eben die gewaltfreie Weise, einander die Meinung zu sagen, es sich zu “zeigen” oder einfach Frust abzulassen über die aktuelle Lebenssituation. Punkten konnten diejenigen, die sich in besonders cleveren oder humoristischen Reimen auszudrücken verstanden.
Eminems Mosh - Kritik an Bushs Politik
Vom Urschleim aber mal abgesehen ist HipHop, wenn auch heute musikalisch definitiv breit gefächerter, nach wie vor hauptsächlich an sozial-kritischen oder besonders clever aufgemachten Texten interessiert. Bekannt dafür sind unter Anderem Snoop Dogg, Eminem oder Xzibit. Auf deutscher Ebene sind Raptile oder Samy Deluxe gute Beispiele dafür.
Wie immer - man beurteilt ein Buch nicht nach seinem Umschlag. Und bevor man eine ganze Musikrichtung samt Hörern verdammt, sollte man sich vielleicht überlegen, was eigentlich dahinter steckt.
Ein weiteres Bilderbuch-Klischee, das in die Köpfe der Menschen eingebrannt ist: Das Wort “Gogo-Tänzer/in” fällt und sofort tauchen Bilder von verrauchten Clubs, Stangen und barbusigen Mädchen vor dem inneren Auge auf.
Klar. Gogo-Tänzer ist ein anderes Wort für Stripper. Oder aber meint eine Frau, die erst leicht bekleidet bis nackt für einen tanzt und dann für ein bisschen Geld Schweinereien hinter verschlossenen Türen anbietet. Oder so ähnlich. So ganz genau weiß meistens keiner, was es nun ist, aber definitiv was, was mit Sex zu tun hat.
Absoluter Blödsinn. Wer sich auf dem Gebiet ein bisschen besser auskennt weiß, dass das eine mit dem anderen überhaupt nichts zu tun hat. Stripper haben die Aufgabe, sich auf möglichst ansehnliche Art und Weise auszuziehen, vorwiegend in Nachtlokalen und für Geld. Hierbei soll hauptsächlich das exhibitionistische Verlangen des Zuschauers gestillt werden.
Ein Amateur-Video von einer Gogo-Tänzerin
Was sind nun Gogo-Tänzer? Sie haben eine komplett andere Aufgabe, sie sollen die Stimmung in der Disco / der Bar / auf der Party anheizen und die Gäste zum Tanzen animieren. Sie tanzen in der Regel auf gut einsehbaren Plätzen wie Podesten, Lautsprecherboxen oder sogar in aufgehängten Käfigen. Gogo-Tänzer sind selbstverständlich auch oft in kurzen Röcken oder anderen sexy Outfits zu sehen - diese ziehen sie aber nicht aus. Generell sollen die Outfits gut und sexy aussehen, es wird aber in der Regel streng darauf geachtet, dass nichts Billiges oder Obszönes daran ist. Die Randgruppe der Topless-Gogos, das sind Gogo-Tänzer, die oben ohne tanzen, ist bei professionellen Gogos verpönt.
Fassen wir zusammen: Gogos sind Vortänzer bzw. Animateure und sollen für Stimmung sorgen, sind also keine nackten Frauen, die sich rhythmisch zur Musik bewegen. Stripper sollen sich auf erotische Art und Weise ausziehen und damit voyeuristische Neigungen der Zuschauer befriedigen. Alles klar?
Über tolle und merkwürdige Klischees haben wir in diesem Blog ja schon des Öfteren gelesen. Jetzt haben Berliner und Wiener Klischee-Interessierte die Möglichkeit, sich im Jüdischen Museum eine Ausstellung zu eben diesem Thema anzusehen.
Das Ganze trägt den verheißungsvollen Titel “typisch! Klischees von Juden und anderen” und läuft vom 20. März bis Anfang August im ersten Obergeschoss des Jüdischen Museums in Berlin (und auch in Wien). Der Eintritt beläuft sich auf vier Euro, bei Ermäßigung sind zwei Euro zu bezahlen. Der ursprüngliche Artikel zum Thema kann bei Bedarf hier noch einmal ausführlich und im Detail nachgelesen werden.
Gezeigt werden bei der Sonderausstellung Kunstgegenstände, Fotografien, audiovisuelle Objekte und vielerlei mehr. Die Darstellungen sollen die Besucher zum Nachdenken anregen und für die alltägliche Gegenwart und zum Teil auch Brutalität von Klischees sensibilisieren.
Man wird hier also weniger auf eine humoristische Herangehensweise an die Thematik stoßen, sondern darf sich eher auf eine kritische Beleuchtung von Stereotypen freuen, denn nicht zuletzt seien diese, laut Artikel, Nährboden für Rassismus und Menschenfeindlichkeit.
Wer sich ein eigenes Bild davon machen möchte, weiß ja jetzt, dass in Berlin und Wien bis August noch die Möglichkeit besteht, mal einen Blick auf die Ausstellung zu werfen. Lohnt womöglich gerade auch als lehrreiches Ausflugsziel für den Wandertag in der Schule oder aber als kultureller und pädagogisch wertvoller Gang mit den eigenen Kindern.
Im Ernst. Wer von Ihnen hat noch nicht zum eigenen Vorteil mit einem Klischee gespielt? Welche Frau unter Ihnen hat noch nie absichtlich “geschwächelt” um einen Mann zum Tragen der eigenen Taschen zu überreden? Welcher Mann hat noch nie Ungeschicklichkeit im Haushalt vorgetäuscht, um lästigen Pflichten zu entkommen?
Welcher Farbige kämpft freiwillig und offenherzig gegen das Klischee des “gut ausgestatteten Schwarzen”? Welcher Italiener ist beleidigt über die allgemeine Annahme, dass aus Italien das beste Eis und großartige Pizza käme? Keiner, genau.
Tatsächlich neigt doch jeder unter uns dazu, positive Klischees gern unverleugnet auf sich beruhen zu lassen und über jedes Negativ-Klischee regelmäßig genervt zu schimpfen.
Deutsche sind humorlos, tragen nur Lederhosen und Dirndl und tanzen scheiße. - “So eine Gemeinheit, primitive Idioten, immer diese blöden Klischees!”
Deutsche sind fleißig, vorbildlich pünktlich und machen gute Produkte. “… *zustimmendes Schweigen*”
Wer klug ist, nimmt beide Arten von Vorurteilen einfach hin. Die Meinung jedes Fremden kann man sowieso nicht ändern und alle die sich die Mühe machen, einen persönlich kennenzulernen, sehen früh genug, was wirklich hinter dem Image steckt.
Aber mal ehrlich, es macht doch auch Spaß, mit Klischees zu spielen. Vor allem bei der Partnerwahl. Ein unschuldiges Augenklimpern, ein wenig Verletzlichkeit , hübsches Make-Up und ein netter Ausschnitt - natürlich entspricht keine Frau rund um die Uhr diesem Klischee. Sobald sie es aber tut, und das doch meist bewusst, wird der Beschützerinstinkt des Mannes wesentlich stärker angesprochen. Die Flirt-Chancen steigen.
Umgekehrt gilt dasselbe für Männer. Sobald sie so tun, als ob sie finanziell gut dastünden (Frau zum Essen einladen; gut gekleidet auftreten usw.) fliegen ihnen leichter die weiblichen Herzen zu. Und das nicht, weil die Frau von Natur aus geldgierig ist, sondern weil sie von Natur aus einen Versorger sucht, der sie und den eventuellen Nachwuchs durchfüttern kann. Und wenn der Mann nicht nach Geld aussieht, dann springen Damen auf Muskeln, Drei-Tage-Bärte oder leiche Verschwitztheit an - so ein Mann könnte sie schließlich vor Gefahren schützen, bei dem kann man sich sicher fühlen.
Wie man sieht, kann man mit etwas Intelligenz auch für sein persönliches Glück viel herausholen, wenn man nur ein wenig mit Klischees spielt.
Übrigens hier ein paar weitere Klischees, gegen die sicher keiner der Gemeinten protestieren würde: Franzosen sind gute Liebhaber, Latino-Frauen sind leidenschaftlich und umwerfend im Bett, Japaner zeichnen die schönsten Comics, Boxer aus den Ostblock-Staaten sind die besten, Großmütter kochen fantastisch.